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Von Bukarest in die Provinz

Familie Müller mit Tibi aus Rumänien

Nachdem unser Sohn Henning mit YFU ein Jahr in Amsterdam verbringen konnte, wollten wir unsererseits etwas davon zurückgeben.

 

Wir wollten bei unserem zweiten Austauschschüler unbedingt einen „dorftauglichen" Schüler, da wir mitten in der nordostdeutschen Provinz, in einem winzigen Dorf mit knapp 80 Einwohnern wohnen. So bekamen wir schließlich 3 Profile zugeschickt und alle 4 Familienmitglieder trafen unabhängig voneinander die gleiche Wahl: Tiberiu-Christian aus Rumänien sollte für ein Jahr unser Familienleben teilen. Einen kleinen Schreck bekamen wir dann noch bei der Entdeckung, dass Tibis Familie in Bukarest wohnt. Aber per E-Mail hatten wir uns dann schon kennengelernt und Tibi versicherte uns, dass er sehr viel Zeit bei seinen Großeltern auf dem Dorf verbringt und dass er sich sehr auf uns freut.

So leben wir

Unsere Familie besteht aus uns Eltern (Klaus und Heike), den Kindern Wenke (die in Berlin studiert), Henning (der in dem Jahr sein Abi gemacht hat), Wiebke (10 Jahre), dazu kommt noch die Oma (85). Wir sind Landwirte, bewirtschaften gemeinsam mit einem Partner einen Gemischtbetrieb mit Milchvieh und Acker. Außerdem bin ich noch in Teilzeit außer Haus tätig. Jeder muss also auch Aufgaben im Haushalt übernehmen. Tibi hat sich schnell in unseren Rhythmus eingefügt, es lief alles ganz unkompliziert. Das deutsche Essen schmeckte, seine Wäsche hat er selbst zusammengelegt und weggeräumt und seine Hemden und Shirts selbst gebügelt. Ab und zu mussten die Kids auch im Garten helfen oder eine Gruppe Rinder von einer Koppel in die andere bringen. Auch für die Versorgung von Hund, Katzen, Meerschweinchen und Kaninchen sind bei uns die Kinder zuständig. Meistens haben Wiebke und Tibi das übernommen. Unser Hund vermisst Tibi sicher heute noch schmerzlich, denn er ist sehr oft mit ihm spazieren gegangen.

 

Wiebke fand von Anfang an einen guten Draht zu Tibi. Sie war seine „strenge" Deutschlehrerin. Das Alltagsdeutsch war bald kein Problem mehr, schnell schlich sich auch das norddeutsche „ne" ins Vokabular. In der Schule brauchte Tibi länger, um Fuß zu fassen. In Tibis Jahrgang gingen aber zwei Mädchen, die in Hennings Band mitspielten, so dass die Integration über diesen Weg besser lief. Ganz zum Schluss, als ihm eine Klassenkameradin bei der Abschlussfeier unserer Jüngsten um den Hals fiel, waren wir doch beruhigt, dass er letzten Endes  auch in der Schule gut aufgenommen war. Nicht so ganz hilfreich für die Integration war die intensive Nutzung des Internets. Ganze Nachmittage und Abende verbrachte Tibi chattend oder skypend in seinem Zimmer. Wir mochten es ihm aber nicht verbieten, so lange er hier noch nicht so heimisch war. Später besserte es sich von allein. Auch die häufigen Anrufe der Mutter ließen bald nach, nachdem sie sicher war, dass es ihm bei uns gut geht.

 

Ein sportliches Highlight und andere Ereignisse

Sehr viel Spaß hatten die Kinder in unserem Winterurlaub in Österreich. Alle flitzten blitzschnell die Hänge hinunter und ließen vor allem mich als Mutter ganz schön alt aussehen. Viele lustige Erlebnisse ergaben sich durch sprachliche und traditionelle Unterschiede: Ende November hatte ich Schoko-Adventskalender gekauft und Tibi gefragt, ob er das kennt, was von ihm überzeugend bejaht wurde. Wenige Tage später kam Wiebke prustend die Treppe hinunter. Schließlich stellte sich heraus, dass Tibi die Sache mit dem Adventskalender doch nicht so ganz verstanden und die ganze Schokolade auf einmal verputzt hatte.

 

Tolle Begegnungen

Nette Kontakte gab es zu den beiden ehrenamtlichen YFU-Betreuerinnen, die uns hier besuchten oder sich auch telefonisch erkundigten. Ganz begeistert kam Tibi von den Seminaren zurück, besonders das Mittelseminar in Berlin hat ihn sehr beeindruckt. Insgesamt verging das Jahr wie im Fluge, Tibi ist schon lange wieder zu Hause und arbeitet an seinem Abitur. Über Facebook halten wir, besonders Wiebke, Kontakt zu ihm.

 

Insgesamt können wir ein positives Fazit ziehen und anderen potentiellen Gasteltern die Aufnahme eines Schülers nur empfehlen!

Mit der Gastschwester beim Skifahren

Mit den Gastgeschwistern zu Weihnachten

Auf dem Bauernhof der Gastfamilie