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Unser Jahr mit Habil

Gastfamilie Oppertshäuser/Möller mit Habil aus Aserbaidschan

Jetzt, wo „unser" Habil schon über ein Jahr wieder zu Hause in Baku ist, müssen die grauen Zellen schon ein wenig angestrengt werden, um ein paar Erinnerungen hervor zu kramen. Es begann damit, dass unsere Tochter Laura uns Mitte Juni 2011 dank YFU für ein Jahr in Richtung USA verlassen hatte. Daher hatten wir die Idee, für unseren Sohn Lars einen Gastbruder für dieses Jahr zu gewinnen und nicht trauernd in ein leeres Zimmer zu blicken. Wir hatten uns zusammen die Bewerberprofile angesehen und uns sofort auf Habil geeinigt, da er auch vom Alter am ehesten zu Lars passte.

So kam der August 2011 und wir haben Habil voller Erwartung (und ein bisschen Bammel) am Hamburger Hauptbahnhof herzlich empfangen. Dann begann die aufregende Zeit des sich Kennenlernens und Annäherns. Habil konnte kein Deutsch, nur Schul-Englisch nach 4 Jahren Unterricht. Das traf sich gut und entsprach  in etwa unseren Englischkenntnissen nach 25 Jahren „finished school".  Aber wir bemerkten auch, wie anstrengend das auf einmal war. Wir konnten vor Erschöpfung gut schlafen!

Habil hatte keine Schwierigkeiten, schnell Kontakt zu finden. Das lag einerseits an der Super-Organisation in der Schule, an der er gleich ein bis zwei „Paten" hatte, die sich um ihn kümmern sollten. Aber vor allem auch einfach daran, dass er ein netter und charmanter Junge war, den man gleich gern hatte.


Ab jetzt nur noch deutsch

Nach einer geduldigen Gewöhnungsphase haben wir beschlossen, ab Oktober nur noch deutsch zu sprechen, da Habil ja auch durch den täglichen Schulbesuch die Sprache lernte. Was er nicht wusste, haben wir auf Englisch umschrieben. Witzig war, dass er sich das Wort „Verwandte" nie merken konnte und immer von seinen „Relatives" sprach. Aber er lernte erstaunlich schnell.

Mit seinen drei Schulfreunden Tim, Thor und Brian machte er dann auch Buchholz „unsicher". Da das Aserbaidschanisch der türkischen Sprache ähnelt, war er bald in jedem Dönerladen bekannt. Auch Unternehmungen in Hamburg machte er mit seinen neuen Freunden. Wir hatten Habil für einen Kurzurlaub in Büsum eingeladen, wo er besonders gern mit seinem Gastbruder Lars ins Wellenbad gegangen ist. Auch in Buchholz sind die Jungs gern Schwimmen gegangen. Beeindruckt war Lars von Habils muskulöser Figur. Ich erinnere mich, wie die beiden immer Klimmzüge an unserer Treppe übten.

Auch auf dem musikalischen Sektor hatte Habil Talent bewiesen. Nein, nicht Paganini auf der Geige, sondern AC/DC auf der E-Gitarre! Von unserer YFU-Betreuerin hatte er eine E-Gitarre und Verstärker geliehen bekommen, die CDs besagter australischer Hardrock-Band von mir, seinem Gastvater. Fortan schallte es „Back in Black" durchs Haus, als wir von der Arbeit kamen.


Ja, was fällt uns noch ein, wenn wir an Habil denken ...

... Ford Mustang! Er war Fan dieses Modells und ist fest davon überzeugt, bald selbst stolzer Besitzer dieses amerikanischen Sportcoupés zu sein. Bis dahin müssen die Modelle herhalten, die sich Habil gern als Souvenir in Hamburg kaufte. Aber seinem Traum ein wenig näher kam er, als wir im Rahmen der „Street Mag Show", einer Veranstaltung in Hamburg für klassische amerikanische Autos, die Gelegenheit wahrgenommen haben, uns für eine halbe Stunde einen Mustang zu mieten und hiermit durch St. Pauli bis zum Hafen zu brettern. Ein Traum für Jungs jeden Alters!

Vom Hörensagen wissen wir, dass er sehr am weiblichen Geschlecht interessiert war. Doch auf Nachfrage hat der Gentleman hier genossen und geschwiegen. ;-) Und klar, auch an Partys war er zunehmend interessiert – ein Klassiker bei den YFU-Problemen. Aber da er bei uns 16 Jahre alt wurde, zeigten wir Verständnis für die damit verbundene natürliche Wesensveränderung. Es gab nur mal dicke Luft, als er ungefragt nachts wegblieb. Man hat ja gerade als Gasteltern besondere Verantwortung.

Eine wie ich finde witzige Anekdote fällt mir da noch ein: Habil war immer sehr „begeistert", wenn es um Aktivitäten von YFU ging beziehungsweise vor allem um die als „Energizer" bekannten Spielchen (kleine Spiele zum wach werden am Rande der YFU-Seminare). Sorry, Leute, aber er war halt so! Wahrscheinlich ist es in anderen Kulturkreisen nicht so üblich, sich in der Öffentlichkeit einfach mal „zum Affen zu machen".

Unser Resümee

Es war alles in allem eine aufregende Zeit, die wir nicht missen möchten. Wir haben Kontakt zu einer lieben Familie bekommen, die wir per Skype erleben durften. Und Habils ältere Schwester möchte auch mal nach Deutschland kommen - natürlich besonders gern, um in Hamburg shoppen zu gehen.  
Dank Facebook, Skype und WhatsApp sind wir auch weiterhin in Kontakt mit Habil und hoffen, uns bald mal wieder zu sehen. Wir wünschen ihm und seiner Familie nur das Allerbeste.

Julia Möller und Kai Oppertshäuser

Begrüßung am Bahnhof

Auf der "Streetmag-Show" in Hamburg mit gemieteten Mustang

Abschied nach einem spannenden Jahr