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YFU-Spirit im Doppelpack

10. März 2026

Ines und Björn sind Mutter und Sohn, haben beide ein Austauschjahr im Ausland verbracht und sind YFU schon lange im Ehrenamt verbunden. Dieses Jahr gehen sie noch einen Schritt weiter und haben zum ersten Mal gemeinsam ein YFU-Mittelseminar in Berlin geleitet. Wir haben mit beiden noch vor dem Start des Seminars über ihre Verbindung zu YFU gesprochen und darüber, was sie motiviert, (gemeinsam) dabei zu bleiben.

 

Liebe Ines, lieber Björn, wo und wann wart ihr im Austauschjahr?

Björn: Ich war 2016/17 mit YFU in Norwegen, in einer Kleinstadt in der Nähe von Oslo. Ich habe allein mit meinen Gasteltern gewohnt, da deren Tochter bereits ausgezogen war. Diese Situation kannte ich von zu Hause mit meinen zwei Geschwistern nicht und das war schon manchmal herausfordernd – aber insgesamt sehr spannend.

 

Ines: Ich habe 1985/86 ein Austauschjahr in New Mexico in den USA verbracht. Ich hatte damals die Idee, vielleicht eine Sprachreise zu machen, und habe in der Schule vor dem Lehrerzimmer durch Zufall einen Flyer für ein Austauschjahr gesehen. Den habe ich mit nach Hause genommen. Als mein großer Bruder den Flyer gesehen hat, war er sofort begeistert und hat mich überhaupt erst auf die Idee gebracht, dass das auch etwas für mich sein könnte. Mein Austauschjahr war dann eine sehr wichtige Erfahrung für mich und ich habe auch immer noch Kontakt zu einigen meiner Freunde von damals. Ich war allerdings nicht mit YFU weg, auch wenn ich den Namen schon kannte, da ein guter Freund parallel mit mir ein Austauschjahr mit YFU gemacht hatte. Richtig mit YFU in Kontakt gekommen bin ich aber erst 2013, als wir Gastfamilie wurden.

 

Ich hatte zu der Zeit schon lange nach einer Gelegenheit gesucht, etwas zurückzugeben – und als ich gefragt wurde, ob ich mich nicht auch engagieren wolle, musste ich nicht lange überlegen. Mein erster YFU-Einsatz war dann als Ersatz-Teamerin auf einer Nachbereitungstagung (NBT). Seitdem habe ich die verschiedensten Aufgaben im YFU-Ehrenamt ausprobiert, habe zahlreiche Seminare im Entsende- und Aufnahmeprogramm geteamt und geleitet und bin seit Herbst 2014 unter anderem in der Betreuung aktiv. Seit zwei Jahren bin ich jetzt Regionalbetreuerin in meiner Landesgruppe und leite immer noch gerne Seminare.

 

Ihr seid beide schon lange ehrenamtlich für YFU aktiv, dieses Jahr geht ihr aber noch einen Schritt weiter: Im März werdet ihr zum ersten Mal gemeinsam ein YFU-Mittelseminar leiten. Wie kam es dazu?

Björn: Der Wunsch war schon länger da. Ich selbst habe vor circa sechs Jahren angefangen, auch auf Seminaren zu teamen – in Präsenz, aber auch Online-Seminare, die während der Corona-Pandemie ja verstärkt eine Rolle gespielt haben. Zum ersten Mal miteinander ein Seminar geleitet haben wir dann tatsächlich auch eine Online-Vorbereitungstagung (Online-VBT): Das hatte sich damals spontan während eines gemeinsamen Sommerurlaubs ergeben. Das hat uns beiden richtig viel Spaß gemacht und ich hatte dann schnell die Idee, dass wir das auch mal zusammen in Präsenz machen sollten - und das Mittelseminar jetzt im März passte terminlich für uns beide.

 

Welche Vorteile könnte ein Mutter-Sohn-Team als Seminarleitung eurer Meinung nach haben?

Björn: Das wird auf jeden Fall spannend – ob es Vorteile mit sich bringt, wird sich dann zeigen (lacht). Wir kennen uns natürlich sehr gut und können den anderen gut einschätzen. Und wir haben das große Glück, dass wir offen und respektvoll miteinander kommunizieren – und uns gegenseitig auch mal sagen können, wenn wir mit etwas nicht einverstanden sind.

 

Ines: Das ist etwas, dass ich an unserer Kommunikation sehr schätze und auch genieße: Eine absolute Offenheit und die Sicherheit, dass wir auch mal Tacheles reden können, ohne einander zu verletzen. Ich bin daher auch sehr gespannt auf das Seminar, wobei mich aktuell am meisten beschäftigt, wie sich das Team der anderen Ehrenamtlichen mit der Situation fühlt. Davor habe ich eigentlich den meisten Respekt, da ich einfach weiß, dass Björn und ich gut miteinander harmonieren. Da werden wir von Anfang an transparent sein und Offenheit auch gegenüber Kritik signalisieren.

 

Was motiviert euch für die YFU-Seminararbeit?

Björn: Gerade bei Mittelseminaren, aber auch bei Re-entry Seminaren zum Ende des Austauschjahres oder bei Nachbereitungstagungen ist es einfach großartig, noch einmal mitzuerleben, wie es ist, im Austausch zu sein. Mir wird dabei auch immer wieder aufs Neue klar, wie wunderbar dieses Projekt Austausch überhaupt ist: Da werden zwei sich zunächst völlig fremde Parteien in eine Wohnung geschmissen und am Ende harmonisiert das häufig so gut und die Austauschschüler*innen haben so viel Spaß an dieser Erfahrung und auch Lust, diesen Spaß zu teilen – das ist für mich immer ein wunderschönes Gefühl und sehr Kraft gebend. Aber YFU-Seminare sind auch an sich etwas ganz Besonderes: Wie man als Team zusammenwächst, nochmal über seinen eigenen Austausch nachdenkt und darüber mit anderen diskutieren kann – das ist einfach immer wieder unfassbar schön.

 

Ines: Ich finde es bei Seminaren auch toll, so unterschiedliche Menschen kennenzulernen – die Austauschschüler*innen, aber auch die vielen Ehrenamtlichen bei YFU. Bei den Schüler*innen freue ich mich immer ganz besonders, wenn ich einige wiedersehe, die ich vielleicht schon zu Beginn des Austauschjahres oder in der Betreuung kennengelernt habe. Die Entwicklung zu sehen und einfach zu erfahren, was daraus geworden ist – das empfinde ich immer als sehr bereichernd.

 

Neben Seminaren seid ihr beide an weiteren Stellen im Aufnahmeprogramm aktiv: Was begeistert euch an der Arbeit mit den Austauschschüler*innen hier in Deutschland?

Björn: Für mich persönlich bin ich im Aufnahmeprogramm (AP) einfach näher am Thema Austausch dran, weil ich die Austauschschüler*innen genau jetzt darin unterstützen kann, einen noch tolleren Austausch zu haben.

 

Ines: In der Betreuung lerne ich nicht nur die unterschiedlichsten Familien kennen, sondern auch Schüler*innen aus ganz verschiedenen Kulturen. Dabei mag ich es immer besonders, wenn zwei Leute aus einem Land sich überhaupt nicht ähnlich sind, sondern einfach Individuen, auf die ich mich auch individuell einlassen muss. Ich bin nicht der Typ, der viel um die Welt reist, und ich schätze es einfach sehr, dass ich über mein Ehrenamt bei YFU trotzdem sehr viel über die unterschiedlichsten Länder und Kulturen erfahre. Dazu kommt natürlich auch die Verbindung, die man zu den Menschen aufbaut: Wenn mir am Ende des Austauschjahres Familien sagen, dass sie am Anfang davon ausgegangen sind, keine Betreuung zu brauchen und dann doch sehr froh waren, dass sie mich hatten – das ist schon ein schönes Gefühl, das mich motiviert, weiterzumachen.

 

Wie hat euer Austauschjahr und YFU euer Leben geprägt? 

Ines: Ich weiß nicht, ob ich meine Kinder ohne mein eigenes Austauschjahr in dem Gedanken bestärkt hätte, auch ein Schuljahr ins Ausland zu gehen – und vielleicht wäre die Verbindung zu YFU dann nie zustande gekommen. Nach meiner Rückkehr habe ich lange gesagt, mein Austauschjahr war das beste Jahr meines Lebens. Heute würde ich eher sagen, es war das ereignisreichste, in dem sicher nicht alles gut war, aber in dem ich unglaublich viel gelernt habe. Manches davon begleitet mich noch heute.

 

Björn: Ich würde mein Austauschjahr weder als mein bestes noch als mein ereignisreichstes Jahr bezeichnen – aber auf jeden Fall als eines, das mich sehr geprägt hat. Vor allem deshalb, weil es mir diese YFU-Welt eröffnet hat. Egal, ob Landesgruppenwochenende, Orientierungs- und Sprachkurse, Betreuung, Kennenlerngespräche oder auch VBT, ich habe immer wieder ganz verschiedene Aufgaben ausprobiert. Wesentlich motiviert hat mich dabei meine Mutter: Ich habe so oft gesehen, wie sie immer wieder neue Dinge bei YFU gemacht hat – und hatte dadurch den Mut aber auch den Anspruch an mich selbst, das auch zu tun. Dadurch habe ich in meinem YFU-Ehrenamt unglaublich viel gelernt und mir ein wunderschönes soziales Umfeld aufgebaut, dass mich geprägt hat und auch noch heute prägt. Und mein Austauschjahr, das war das Tor zu dieser Welt.

 

Ines: Das Lernen hört bei YFU wirklich nie auf! Ich mochte es nie, vor anderen zu sprechen: Heute gehört das einfach dazu und ich fühle mich wohl dabei, wenn ich zum Beispiel auf Schulvorträgen von YFU erzähle. Es macht mir unglaublich großen Spaß, an meinem Ehrenamt zu wachsen. Das und die Gemeinschaft, die ich bei YFU immer wieder finde – das genieße ich und das bewegt mich, dabei zu bleiben.

 

Gibt es sonst noch etwas, dass ihr anderen YFUler*innen mit auf dem Weg geben möchtet?

Ines: Es gibt eine Sache, die mir am Herzen liegt: Das erste Seminar, das ich mit geteamt habe, war eine Nachbereitungstagung. Ich weiß noch, wie überrascht ich damals war, dass alle anderen Teamer*innen sehr jung waren – hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich wahrscheinlich gar nicht gemeldet. Ich habe mich zu dem Zeitpunkt erst einmal ein bisschen verloren gefühlt, wurde aber von meinem Team damals zum Glück gut abgeholt. Heute weiß ich, dass unterschiedliche Perspektiven sehr wertvoll für ein Seminar sein können. Ich möchte daher alle, die Lust auf Ehrenamt haben und deren Austauschjahr vielleicht schon ein wenig her ist, ermutigen, es mit der Seminararbeit einfach mal zu probieren. Ich glaube, das gilt nicht nur für YFU, sondern auch generell im Leben – einfach mal machen! Ich habe auch das Gefühl, das hält jünger (lacht).

 

Wer nach Wegen sucht, wieder für YFU aktiv zu werden, aber nicht so genau weiß, wie und wo, dem möchte ich die Online-Workshops „Powerstart ins Ehrenamt“ ans Herz legen: Die machen unter anderem auch Björn und ich und es ist eine tolle Gelegenheit, um wieder YFU-Kontakte zu knüpfen und sich nach verschiedenen Möglichkeiten des Engagements umzuschauen. Einer der Teamer*innen auf „unserem“ Mittelseminar ist übrigens ein YFU-Ehemaliger, der durch so ein Powerstart-Seminar wieder den Weg zu YFU gefunden hat. Wenn solche Dinge zusammenlaufen, wenn dann die Stimmung im Team noch so gut wird, dass sie sich auf die Schüler*innen überträgt und eine richtige Form von YFU-Spirit entwickelt – diese Momente sind magisch und die motivieren mich immer wieder, weiterzumachen.

Nach dem Austauschjahr