Herzlichkeit, Leidenschaft und Stolz

Erfahrungsbericht von Ronja, Austauschjahr in Argentinien

Als man mir gesagt hat, ich würde nach Argentinien gehen hatte ich, um ehrlich zu sein, keine Ahnung von dem Land. Ich wusste das, was alle wissen: Es wird viel Fleisch gegessen, Tango getanzt und die Hauptstadt ist Buenos Aires. Ich wusste nichts von der Schönheit von den Cataratas de Iguazú, die eines der sieben Weltwunder sind, von den unglaublichen Empanadas oder von dem Mate oder Terere.

 

Die Argentinier: Herzlichkeit, Leidenschaft und Stolz

Ich bin mittlerweile fast schon 10 Monate hier in Argentinien, in einer kleinen Stadt namens Las Termas de Río Hondo im Norden Argentiniens, und kann sagen, dass ich mich unglaublich in das Land verliebt habe. Jedoch nicht nur in das Land, sondern vor allem in die Leute, die mich an allen Orten, die ich besucht habe, mit einer Herzlichkeit begrüßt haben, die ich in Deutschland nur von engsten Familienmitgliedern kenne. So behandeln sich auch die meisten Leute hier: wie Familie. Dazu gehören hitzige Diskussionen, viele Schimpfwörter und eine hohe Lautstärke, denn eine weitere Haupteigenschaft der Argentinier ist ihre Leidenschaft. Das merkt man vor allem beim Fussball, wenn durch das ganze Haus Wörter geschrien werden, die ich mich nicht mal zu übersetzen traue. Zudem kommt, dass die Argentinier unglaublich stolz auf ihr Land sind, was ich definitiv verstehen kann, und das auch gerne immer und überall mit Flaggen zeigen. 

 

Siesta und Essen

Meine Gastmutter hier sagt immer, wenn ich zurück nach Deutschland gehe und sie mich fragen, was ich gelernt habe, müsste ich essen und schlafen sagen, und das stimmt definitiv.  Das erklärt sich dadurch, dass zum ersten die Siesta in meiner Provinz Santiago del Estero quasi heilig ist. Wenn man zwischen 14 Uhr und 18 Uhr auf die Straße geht, wird man nicht viele Leute sehen und auch die Läden sind geschlossen. Das liegt allerdings vor allem im Sommer an der extremen Hitze. Im Sommer, den ich hier verbracht haben, haben wir die 50 Grad erreicht.
Das Essen hier besteht nicht nur aus Fleisch, so wie viele denken. Ich esse mit meiner Mutter zum Beispiel sehr gesund und viel Gemüse, aber die typischen Sachen sind dann doch die gefüllten Teigtaschen, Empanadas, die Alfajores, das Locro und unglaublich viel mehr, das man einfach ausprobieren muss. Das typische Getränk hier ist Mate, ein teeähnliches Getränk, das man allerdings durch einen Metallstrohhalm zusammen mit anderen aus dem gleichen Becher trinkt. Die Alternative zum heissen Mate ist Terere, den man mit kaltem Saft und Eiswürfeln trinkt.

 

Amigos und Familia

Zu meinen Freunden kann ich sagen, dass ich hier Freunde fürs Leben gefunden habe, die ich genauso lieb habe, wie meine deutschen. Jetzt wo ich noch 3 Wochen habe, merke ich, wie sehr ich sie vermissen werde und fange jedes Mal fast an zu weinen, wenn jemand die kurze Zeit erwähnt, die mir noch bleibt, und meinen Freunden passiert das gleiche. Neben meinen Freunden aus meiner Stadt, habe ich durch die YFU-Reisen und Orientations auch unglaublich viele internationale Freunde aus der ganzen Welt gefunden, die ich als meine dritte Familie bezeichnen kann und von denen ich auch definitiv den ein oder anderen mal in seinem Heimatland besuchen werde. Natürlich ist ein riesiger Punkt in meinem Leben hier auch meine Gastfamilie, wobei ich dazu eigentlich nur sagen kann, dass sie nicht nur meine zweite Familie geworden sind, sondern es von Anfang an waren. Ich fühle mich wie eine weitere Tochter der Familie und möchte mir eigentlich gar nicht vorstellen, nie alle meine Familien beisammen haben zu können.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass diesen Austausch zu machen die beste Entscheidung meines Lebens war und ich keinen einzigen Moment bereue, auch nicht die traurigen, die es natürlich gibt. Ich habe ein zweites Leben, eine zweite Familie und eine zweite Heimat gefunden und das würde ich für nichts in der Welt wieder hergeben. 

Ronja mit ihrer Gastmutter

Ronja mit Freundinnen

Super Ausblick