So nah und doch so weit entfernt

Erfahrungsbericht von Alyssa, Austauschjahr in Litauen

Warum habe ich mich für Litauen entschieden?


Klar, mir war der Name Litauen bekannt, mehr wusste ich jedoch auch nicht davon. Die baltischen Staaten sind uns so nah und doch wieder so weit entfernt, denn wir wissen nichts darüber. Mein Vater hat mich auf diese Staaten aufmerksam gemacht und nach intensiver Recherche hatte ich ein genaueres Bild von Litauen. Da ich jedoch sehr weltoffen bin, habe ich mich für 16 verschiedene Ländern beworben.
Es geht nicht unbedingt darum, in welches Land man geht, denn jedes Land hat etwas Besonderes. So kann man auf der ganzen Welt Erfahrungen sammeln und wunderschöne Momente erleben. Für mich war es das kleine Litauen am Rand von Europa.

 

Ich hatte die ganzen Wochen und Monaten davor schon große Vorfreude gespürt, für ein Jahr ins Ausland zu gehen, wie die anderen Austauschschüler sicherlich auch.
Als es dann nur noch eine Woche war bis zum Abflug, konnte ich gar nicht mehr aufhören zu packen. Aber glaubt mir, ich hätte nicht so viel mitnehmen müssen. Die meisten Sachen zieht man sowieso nicht an, da es in Litauen kälter ist, und die anderen Dinge kauft man später. Ich musste so ganze drei Pakete zurückschicken und am Tag des Rückfluges musste ich acht T-Shirts und drei Hosen tragen. 
Am Abreisetag nach Litauen war ich am Flughafen sehr nervös, da ich noch nie zuvor geflogen war. Aber es war wunderschön und der Tomatensaft der angeboten wurde war ein Traum – richtig lecker. Als ich dann in Vilnius gelandet bin, haben uns ehemalige YFU-Austauschschüler aus Litauen herzlich begrüßt. Wir waren anschließend alle in einem dreitägigen Camp. So konnten wir uns alle gut akklimatisieren und offene Fragen wurden beantwortet. Am dritten Tag habe ich zum ersten Mal meine Gastfamilie persönlich getroffen. Alle waren noch ein wenig schüchtern. Ich hatte drei Mädchen als Gastgeschwister (4, 9 und 12 Jahre alt).

 

Mein Austauschjahr verbrachte ich in der drittgrößten Stadt Litauens Klaipėda (früher Memel, Ostpreußen) an der schönen Ostsee und konnte so zu jeder Zeit an das wunderschöne Meer. Es ist atemberaubend, vor allem die Sonnenuntergänge. 

Man kann auf zwei verschiedenen Wegen zum Meer gelangen. Entweder man fährt mit einer Fähre über den Fluss, an dem die Schiffe anlegen, oder man fährt direkt mit dem Auto oder Bus zum Meer.
Am Strand gibt es sogar einen deutschen Bunker, den ich auch besichtigt habe. Da es dort Führungen gibt, hat uns ein Mann alles auf Englisch erklärt. Ich durfte eine Uniform anziehen, die früher die Mädchen in meinem Alter tragen mussten.
Die letzten zwei Wochen meines Austauschjahres verbrachte ich in Kaunas. Diese Stadt ist auch für seine sehr gute Basketballmannschaft weltweit bekannt. Meine neue Gastfamilie hatte zudem noch ein Ferienhaus in Palanga, dem berühmtesten Ferienort Litauens an der Ostsee.
Ich war in vielen Orten Litauens und jeder ist wirklich schöner als der andere. Da ich sehr gerne fotografiere ist es perfekt. Es gibt hier außergewöhnlich tolle Landschaften.
Vilnius (wird auch Rom des Ostens genannt), die Hauptstadt von Litauen, hat eine sehr schöne Altstadt (UNESCO Weltkulturerbe) mit vielen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten. Klaipėda ist die größte Hafenstadt Litauens und war bis 1920 eine deutsche Stadt. Jedoch habe ich auch Kaunas ins Herz geschlossen, auch wenn es nicht am Meer liegt.

 

Wenn man hier nach Litauen kommt, sollte man zwei Dinge mögen. Knoblauch und Grietinė (das schmeckt ungefähr so wie saure Sahne). Und diese Grietinė isst man in Litauen zu fast jedem Gericht. Aber auch Kartoffeln, die meisten Gerichte bestehen daraus.

Ich habe einige traditionelle Gerichte probiert. Die populärsten sind zum Beispiel Cepelinai und Kugelis. Cepelinai erinnert einen an Kartoffelknödel. Jedoch ist es mit Fleisch gefüllt, als Beilage gibt es Speck und natürlich wieder Grietinė. Kugelis ist ebenfalls ein Kartoffelteig mit Fleisch- und Speckstücken darin. Die Beilage ist auch Grietinė. Beide hören sich ähnlich von den Zutaten an, aber der Geschmack ist total unterschiedlich. Außerdem lieben die Litauer es, gebratenes Brot mit Knoblauch zu essen. 



In Litauen werden viele Feste und Traditionen gefeiert. Zum Beispiel wird der erste Schultag, der am 01.09.17 war, groß gefeiert. Jeder Schüler gibt seinem Lehrer eine Blume. Es werden Reden gehalten und dazu ein kleines Theaterstück vorgeführt. Die Aufführungen werden jedes Jahr neu einstudiert. Ich war im Vydūno Gimnazija Klaipėdoje. 
Wer Basketball liebt, sollte auf jeden Fall nach Litauen gehen. Denn hier ist jeder so sehr Basketballfan, wie wir Deutsche den Fußballsport lieben. 



Nach meinem Austauschjahr konnte ich nicht aufhören an Litauen zu denken, ich vermisste es. Es ist wie meine andere Hälfte. Ich kann meine Gefühle nicht so beschreiben wie es sich für mich anfühlt, aber ich kann jedem nur raten ein Austauschjahr zu machen. Ich denke, dass jedes Land seinen Reiz hat und egal wohin man geht, jeder wird stärker, gefestigter und selbstbewusster zurückkehren. Ich war schon immer sehr schüchtern, doch in diesem Jahr habe ich viel gelernt und bin gewachsen. Vor allem könnt ihr, falls ihr nach Litauen geht, danach eine Sprache sprechen, die gerade mal vier Millionen andere Menschen auf der Welt sprechen können. Man lernt sich selbst zu verstehen, dankbar zu sein, auch wenn man das schon kann, aber man lernt das auf einer ganz anderen Weise. Man lernt zu lieben und zu leben!

Mit zwei Freundinnen

Bei Sonnenuntergang am Strand

Auf dem Weihnachtsmarkt

Lietuva - so nennen die Litauer ihr Land

Am Strand