Ein Jahr eine japanische Schwester

Luise Nordmeyer über ihr Jahr als Gastschwester von Wakako aus Japan

Aufgeregt und neugierig standen wir am Bahnhof. Wir, das sind meine Eltern, meine Schwester und ich. Wir warteten auf unser Gastkind, meine Gastschwester für 10 Monate. Gespannt überlegte ich, wie man Wakako denn begrüßen sollte...Hände schütteln ist zu formal, umarmen vielleicht zu direkt? Aber als uns dann eine strahlende, freundliche und offene Japanerin entgegen kam, war es eigentlich klar.

Wie ein japanisch-deutsches "Tabu"-Spiel

Jetzt kann ich mir nur noch schwer vorstellen, dass Wakako am Anfang viel weniger Deutsch gesprochen hat. Die ersten Wochen waren wie eine Art großes "Tabu"-Spiel, aber dieses Spiel macht großen Spaß. Also war das Wörter-Erklären und Umschreiben ein Leichtes. Es macht Spaß jemand anderem, der sich für die eigene Kultur, Sprache und Lebensweise interessiert, etwas zu erklären und zu zeigen.

Ich habe in diesem Jahr viel gelernt über die Heimat von Wakako, Japan, aber auch über Deutschland und Dinge, die für unsalltäglich sind, aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ich habe erst richtig die Unterschiede zwischen Deutschland und Japan durch Wakako verstanden. „Was ist typisch Deutsch?", diese Frage hätte ich vor einem Jahr noch nicht gut beantworten können.

Wakako - meine "Deupanerin-Schwester"

Ein Austauschjahr mit YFU ist eine Möglichkeit der Völkerverständigung mit Hilfe von Jugendlichen. Wir als Gastfamilie nehmen jemanden in unseren Alltag, unser Leben, unsere Kultur und den täglichen Wahnsinn auf und hoffen dem Gast viel zeigen zu können. Denn wenn man viel sieht, kann man sich besser eine Meinung bilden.

Wakako ist weniger meine Gastschwester, sie ist meine „Deupanerin-Schwester" geworden und dieses Jahr werde ich nie vergessen. Danke YFU!

Luise Nordmeyer (15 Jahre)

Familie Nordmeyer mit Wakako

Mit den Gastschwestern im Schnee

In traditioneller japanischer Kleidung