
Elche und Eisbären?
Carla Dirr , Norwegen
Warum Norwegen? Ich kann immer noch keine Antwort auf diese Frage geben. Aber ich weiß, dass dieses Jahr meine bisher schönste Erfahrung und größte Herausforderung war!
Die Wochen vor meiner Abreise waren voller verschiedener Emotionen. Einerseits war ich total gespannt auf das Neue, andererseits schon auch verunsichert. Nach und nach wurde ich auch immer trauriger, weil ich ja für ein ganzes Jahr meine Freunde, Familie und meine Umgebung verlassen musste.
Alle lächelten mich nett an
Am Abreisetag flogen wir Austauschschüler, die sich schon von der Vorbereitungstagung kannten, nach Oslo, um eine nochmalige 2-tägige Vorbereitung direkt in Norwegen zu haben. Endlich ging es in unsere Gastfamilien.
Als ich meine Gastfamilie das erste Mal sah, war ich völlig erleichtert. Die ganzen Sorgen, die ich mir gemacht hatte, waren sofort weg, alle lächelten mich nett an. Meine Familie hatte ein Haus mitten in Stavanger. Die Straße war typisch norwegisch, alle Häuser aus Holz anstatt Stein.
Norwegisches Hüttenleben
Am nächsten Tag fuhren wir sofort auf unsere Hütte, um noch die letzten warmen Tage zu genießen. Nach 3 Stunden Fahrt und einer Bootstour waren wir da. Das Praktische auf der Hütte war, dass wir uns ganz locker kennen lernen konnten, weil nur Ferienstimmung unter uns herrschte und nicht jeder angespannt war.
Meine Gastschwestern, Hanne und Ragnhild, brachten mir neue Kartenspiele bei, wir sprangen auf dem Trampolin hinter der Hütte und waren viel im Wasser. Das Hüttenleben ist ziemlich typisch in Norwegen, fast alle in meinem Freundeskreis hatten eine Hütte entweder in den Bergen oder am Meer.
Mit meiner Gastfamilie unternahm ich viele Touren und Ausflüge. In den Winterferien fuhren wir zum Skifahren und mussten meiner Meinung nach als Anfänger eine riesige Strecke auf Langlaufskiern zurücklegen, um zum Skilift zu kommen. In Wirklichkeit waren es dann nur zwei Kilometer…
Auch erlebte ich mit meiner Gastfamilie die Konfirmation von meinem Gastcousin. Erst flogen wir alle nach Tromsoe nördlich des Polarkreises und machten noch einen kleinen Stadtspaziergang. Nachdem wir ein Festessen gegessen hatten, Wal und Rentier, fingen alle an, Mailieder zu singen. Ich war ganz überrascht, dass sogar meine Gastschwestern mitsangen.
„Forstår du det, Carla?“
Nach ein paar Tagen in Norwegen rückte der erste Schultag immer näher heran. Jetzt fing wieder die Sorge an, finde ich alles, sind die Leute nett. Im Klassenzimmer saß ich erst mal ziemlich verloren auf meinem Platz, bis die Leute merkten, dass ich kein Wort von dem verstand, was sie sagten.
Danach kamen viele Leute an und in der ersten Pause war ich zum Glück gar nicht mehr so verloren. Mein Klassenlehrer war auch immer nett, und nach einer Weile fragte er jede Stunde, „Forstår du det, Carla?“, was übersetzt bedeutet, „Hast du das verstanden, Carla?“ Das musste ich dann doch anfangs noch mit „Nein“ antworten…
In meiner Klasse fand ich auch meine Freunde. Erst luden sie mich auf einen Videoabend ein, danach sind wir dann auch öfter in die Stadt gegangen, wenn wir Freistunden hatten, und so unternahmen wir viel in unserer Clique.
Das Bunad am Nationalfeiertag
Am 17. Mai ist der norwegische Nationalfeiertag, der mit den Freunden gefeiert wird. Jeder zieht das traditionelle Nationalgewand an, das „Bunad“ genannt wird. Zu jeder Region gibt es verschiedene Bunads und meistens bekommt man das zu seiner Konfirmation geschenkt.
Die Feiern zum Nationalfeiertag beginnen schon am 16. Mai. Wir feierten bei einer Freundin. Nur mussten wir ziemlich bald nach Hause, denn sonst hätten wir den Tag danach nicht geschafft.
Der erste Festzug begann früh, das war der Festzug für alle Schulen. Selbst ich durfte mitgehen. Meine Gastfamilie lieh mir das Bunad meiner dritten Gastschwester Tori, die selbst gerade in den USA war.
Nach dem ersten Zug gab es ein großes Mittagessen bei einer Freundin. Wir versäumten somit den zweiten Zug, den der Abiturienten, die sich immer einen Spaß aus dem Zug machen.
Der dritte und letzte Festzug war mit allen Vereinen oder Clubs. So kam es, dass das Blasorchester hinter dem Boxclub herging und die Fußballstars meiner Stadt gleich hinter der Gymnastikgruppe.
Überraschungsabschiedsparty
Die Zeit verging wie im Flug, die letzten Wochen waren fast schon stressig, weil ich noch so viel erledigen wollte. Meine Freunde organisierten eine „Überraschungsabschiedsparty“ für mich und wir fuhren zusammen noch ein letztes Mal auf eine Hütte. Und schon ging es ans Koffer packen und verabschieden. Am letzten Tag frühstückte die ganze Familie zusammen und danach ging es zum Flughafen.
Jeden Tag Erinnerungen
Jetzt, schon wieder Monate daheim, kommen immer noch jeden Tag Erinnerungen von allen möglichen Ereignissen. Meine drei besten Freundinnen und auch meine Gastfamilie haben mich schon besucht. Das war etwas ganz besonderes für mich, auch ihnen meine Heimat zeigen zu können, da sie ja davor alles nur aus Erzählungen kannten.
Und für diesen Sommer überlege ich schon stark, ob ich nicht meine Familie nach Norwegen entführe…
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