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Amerika – warum immer nur in die USA?!

Nathalia Rieger, Argentinien

Für meine Mutter war es ein riesiger Schock, als ich im Frühjahr 2003 den Brief von YFU bekam, in dem in fett gedruckten Buchstaben stand: Argentinien. Ich würde also nicht nach Frankreich und auch nicht in die französische Schweiz fahren, die Länder, die ich an erster und zweiter Stelle angegeben hatte, sondern in das Land meiner Drittwahl – nicht Europa, sondern Lateinamerika!
Diese Nachricht musste meine gesamte Familie erst einmal verarbeiten, denn durch die so weite Entfernung ist ein Jahr nach Argentinien gefühlsmäßig doch etwas ganz anderes. Und was weiß man schon über dieses Land – außer, dass das Blockhouse-Steak von dort kommt und dass Maradona Argentinier ist.

Nun ja, ich war jedenfalls SEHR gespannt darauf, mich in das Unbekannte zu stürzen und zählte die Wochen, bis es endlich losging! Auf der einwöchigen Vorbereitungstagung, bei welcher ich dutzende andere Leute kennen lernte, die dem Austauschjahr in Lateinamerika entgegenfieberten, stieg die Spannung und Ungeduld umso mehr.

Endlich war es soweit!

Bereits am ersten Tag in meiner Gastfamilie lernte ich auf dem Geburtstag eines Cousins einen Teil der Verwandtschaft kennen – es waren immerhin um die 30 Leute! Ich fühlte mich gleich aufgenommen, auch wenn ich kaum ein Wort von dem verstand, worüber am Tisch geredet und gelacht wurde. Von deren Herzlichkeit und Wärme war ich einfach überwältigt.

Solche Treffen mit der Verwandtschaft sollten sich während der Zeit, die ich in Argentinien verbrachte, noch viele Male wiederholen. Das häufige Beisammensein in der Großfamilie gehört zu den Dingen, die ich während meines Austauschjahres besonders zu schätzen gelernt habe und jetzt noch vermisse.

Argentinische Traditionen

Als es dann wärmer wurde (ich kam nämlich in Buenos Aires Ende Juli, also im tiefen Winter, an!), begannen die „asados“, das typische argentinische Barbecue. Dabei wird das Fleisch – meist ist es vom Rind – mehrere Stunden gegrillt, gewendet und scheibenweise in immer kleinere Stücke geschnitten, bis es irgendwann ungefähr die Größe eines uns geläufigen Bratens erreicht.


Diese sehr aufwändige Prozedur ist eine Domäne der Männer und wird von diesen regelrecht zelebriert. Ein Elektrogrill wäre für einen Argentinier unvorstellbar! Genauso unvorstellbar sind für deutsche Verhältnisse die Mengen an Fleisch, die bei solch einem „asado“ verzehrt werden: Pro Kopf wird mit bis zu einem Kilo gerechnet! Doch wenn man je das so vorzügliche Fleisch probiert hat, versteht man, warum.

Gartenparty zu Weihnachten

Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass mich an Weihnachten ein ganz schreckliches Heimweh ergreifen würde. Doch dazu kam es zum Glück nicht, denn für Heimweh war an Heiligabend überhaupt keine Zeit: Bis zum Abend war die ganze Familie mit den Vorbereitungen für die Feier beschäftigt, da wir um die dreißig Gäste erwarteten. Wir liefen alle super zurechtgemacht in luftigen Kleidern herum, da gerade der Sommer begonnen hatte und die Temperatur seit mehreren Wochen nie unter 30 Grad gesunken war.

Zuerst wurde, wie bei jeder festlichen Angelegenheit, gut und viel zu viel gegessen. Punkt zwölf Uhr nachts war Bescherung an der bis zur Decke reichenden, scheußlich-kitschig geschmückten Plastiktanne. Da es in unser großen Verwandtschaft nicht möglich gewesen wäre, jedem einzelnen etwas zu schenken, hatte vorher jede Familie eine andere per Zettelchen aus einem Topf zugewiesen bekommen und nur dieser etwas geschenkt. Als alle mit dem Geschenkeauspacken fertig waren, gingen wir in den Garten, um das ringsherum abgebrannte Feuerwerk zu bestaunen und selbst dazu beizutragen.

Zurück in Deutschland

Langsam verblassen diese vielen schönen Erinnerungen, ganz besondere Momente, die ich in Argentinien durchlebte. Das macht mich zum einen etwas traurig, zeigt mir aber auch, dass ich den Sprung zurück in meine alte Umgebung geschafft habe.

In meinem Austauschjahr habe ich so viele neue Eindrücke gewonnen, Erfahrungen gemacht, die ich in Deutschland nie hätte gewinnen können und die ich auf keinen Fall missen möchte!

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„Während ich am Anfang noch zweifelte, ob es die richtige Entscheidung war, mein Jahr hier in Riga, Lettland zu verbringen, bin ich mir jetzt sicher, dass es eine der besten Entscheidungen war, die ich je getroffen habe.“

Jana Wieser
Austauschjahr in Lettland