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Ein ganzes Jahr Besuch?!

Uwe Krüger, Gastvater von Maria aus Moldawien

Kann das gutgehen? Wir haben ein gastoffenes Haus, oft bleiben Freunde über Nacht. Aber einen fremden Jugendlichen für ein ganzes Jahr aufzunehmen ist schon ein Gedanke, der wohl abgewogen sein will.

Wir essen manierlich mit Gabel und Messer und niemand popelt in der Nase. Aber ein Jahr lang niemals unter sich sein?

Wir haben uns auf das Abenteuer eingelassen.

Die Fremde im Haus

YFU hat jede Menge gute Ratschläge, und sie taugen tatsächlich etwas. Viele Probleme von Gastschülern und ihren Gastgebern kann man vermeiden oder geschickter angehen, wenn man bereit ist, von Anderen zu lernen. Aber Austausch aus dieser Perspektive ist abstrakt.

Konkret ist: in den ersten Tagen nachts aufzuwachen und ein Geräusch im Haus zu hören, das da nicht hingehört. Eine fremde Person ist in unserem Leben aufgetaucht und wird jetzt auch für ein ganzes Jahr dahingehören. Gewöhnungsbedürftig.

Kennen lernen

Die beste Hilfe bei der Gewöhnung sind die Missverständnisse. Am Anfang ist alles das erste Mal. Viel stürzt ein auf unseren Gast. Die ersten gemeinsamen Mahlzeiten, der erste Weg zur Schule, der erste Kontakt zu unseren Freunden, nichts ist dir vertraut und auch uns ist keine Reaktion von dir vertraut.

Warum guckst du so? Hast du das jetzt verstanden? Interessiert dich, was ich erzähle? Missverständnisse machen uns aktiv. Wir können uns auseinandersetzen – und kennen lernen.

Alltag

Die Zeit und der Alltag sind eine Hilfe, eine neue Routine prägt sich aus. Das Bad ist am Morgen nur für kurze Zeit umkämpft, wir finden eine neue Organisation, die bald allen selbstverständlich ist. Unser Gast Maria kommt zu bestimmten Zeiten aus der Schule und bringt Hunger mit. Unternehmen wir am Wochenende mehr als früher? Kann sein, aber wir tun es für uns alle. Das schließt jetzt den Gast Maria mit ein.

Freud und Leid

Maria teilt ihr Leben jetzt immer stärker mit uns, wie wir unser Leben mit ihr teilen. Schulsorgen, Heimweh, Gewichtsprobleme, ein geplatztes Date, keine Lust zum Kaffee bei Tante Guste. Sie ist ein Teenager, das ist uns vertraut. Bist du uns schon vertraut, Maria? Und auch die Freuden teilen wir. Ein schöner Film im Kino, eine gute Note, Freud wie Leid schafft Gemeinsamkeiten, bringt uns näher zusammen.

Normales Leben

Niemand bemerkt mehr, dass auch Maria zu uns gehört, es fällt jetzt eher auf, wenn Maria mal nicht dabei ist. Können wir manchmal unter uns sein? Ja, wir spüren es immer, wenn uns ein Besucher verlässt. Dann sind wir nämlich unter uns, das Wort hat nur eine andere Bedeutung als früher. Wir sind eine ganz normale Familie – nur mit einer Person mehr als noch vor einem Jahr.

Abschied?

Es dauert gar nicht mehr so lange, bis es soweit ist. Eigentlich können wir uns das Leben ohne unsere Maria gar nicht mehr so recht vorstellen. Wenn alles so gut passt und funktioniert wie bei uns, gehört wohl auch Abschiedsschmerz zum Programm.

Wie es sein wird, weiß ich noch nicht, aber ohne Spuren wird unsere gemeinsame Zeit nicht bleiben.

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„Was ich von Deutschland vermisse: täglich staubsaugen, deutsche Bettwäsche und frische Brötchen - aber am meisten meine Gastfamilie!“

Rebecca Henderson
Austauschschülerin aus den USA