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Die Wahrheit über Hunde und Glückskekse

Interview mit Familie Wöhler und ihrem Gastsohn Ren aus China

Austauschschüler Ren aus China mit seiner GastmutterChina, das riesige Reich im fernen Osten – ein Land voller unbekannter Traditionen, mit einer uns völlig fremden Kultur und einer Jahrtausende alten Geschichte. Nur wenige Menschen in Deutschland haben einen persönlichen Bezug zu China und kennen chinesische Sitten und Gebräuche aus eigener Erfahrung.

Zu diesen wenigen gehört auch Familie Wöhler. Sie erfahren jeden Tag mehr über China, seine Bewohner und den Alltag dort – und das, ganz ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen. Wie das geht? Ihr 17-jähriger Gastsohn Ren aus Shanghai macht es möglich.

Der Jugendliche besucht hier die Schule und wurde von Familie Wöhler aufgenommen wie ein drittes Kind. Im täglichen Zusammenleben lernt Ren nicht nur deutschen Alltag und Traditionen kennen, sondern auch die Wöhlers erfahren viel über China und das Leben dort.


Wir haben Familie Wöhler und Ren zu ihren bisherigen Erfahrungen befragt.

Familie Wöhler, warum haben Sie sich entschieden, einen Chinesen aufzunehmen?

Wir haben uns gar nicht für einen Chinesen entschieden, sondern für einen 17-jährigen Jungen, der auf dem Foto sehr freundlich lachte und gern Basketball spielt.

Ren, warum hast Du Dich denn für Deutschland entschieden?

Ich wollte Deutsch lernen, denn viele Chinesen können schon gut Englisch sprechen. Und ich wollte die deutsche Kultur kennen lernen. Zum Beispiel essen wir in China 3 Mal pro Tag warm – in Deutschland nur 1 Mal. Hier wird mit Messer und Gabel gegessen – nicht mit Stäbchen. Inzwischen liebe ich deutsche Wurst, die konnte ich in China nicht probieren.

Wie hat Euch allen bisher die gemeinsame Zeit gefallen?

Ren mit seinem Gastbruder und GastvaterFamilie Wöhler: Sehr gut! Es macht Spaß einen so fröhlichen jungen Menschen im Haus zu haben. Der Alltag wird viel spannender, weil man lernt, ihn aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten. Außerdem unternimmt man auch häufiger mal was und kommt so ein bisschen raus, aus dem gewohnten Trott. Und es muss ja nicht immer was Besonderes sein. So haben wir z.B. kürzlich eine Fahrradtour unternommen, die ganze Familie und Freunde. Wir haben gemütlich in der Sonne gepicknickt und einen wunderbar unbeschwerten Tag erlebt.

Ren: Mir gefällt es auch gut hier. Meine Gastfamilie ist sehr nett und wir lachen viel zusammen. Auch die Schule macht mir Spaß, selbst wenn ich nicht immer alles verstehe. Dafür hat meine Gastfamilie geholfen einen Deutschkurs bei der Volkshochschule zu finden. Es ist schön so etwas über Deutschland zu lernen, aber ich bin auch froh den Deutschen die chinesische Kultur näher bringen zu können. Viele Deutsche haben ein sehr kritisches Bild von China und denken Sachen, wie dass wir alle Hunde essen oder so. Aber das stimmt nicht und ich glaube es ist sehr wichtig, dass die Menschen sich besser kennen lernen, damit sie nicht falsche Sachen glauben.

Gab es auch Schwierigkeiten?

Natürlich ist es nicht immer einfach – besonders wenn man noch keine gemeinsame Sprache hat. Da hilft dann nur Geduld, manchmal ein Stück Papier und ein Stift zum Zeichnen und Lachen, wenn man nicht mehr weiter weiß.

Schwierigkeiten entstehen auch durch die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe. Während man bei uns in Deutschland relativ offen und direkt kommuniziert, hat Ren gelernt „chinesisch höflich“ zu sein. Deswegen war ich manchmal unsicher, ob er etwas mag oder nicht. Inzwischen aber habe ich das Gefühl, ich kann an seinen Augen sehen, wenn er etwas gut findet – dann lachen seine Augen nämlich.

Und im Alltag, kommt es da schon mal zu Missverständnissen?

Ja, die sind meist ein Grund zum Lachen. So hatte ich neulich aus dem Supermarkt Glückskekse mitgebracht und musste feststellen –Ren kennt gar keine Glückskekse! Dabei gehören die für uns doch ganz untrennbar zu jedem Besuch im China-Restaurant dazu. Er hat sie probiert – so wie er alles Neue gerne probiert – und für gut befunden. Auf seinem Zettel stand übrigens: „Deine Pläne kannst Du jetzt umsetzen!“

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„Ich hatte drei Familien: Meine wahre Familie, die mich zu Hause erwartet, meine Gastfamilie und YFU! Ich habe in YFU eine neue Familie gefunden.“

Ioana Nistor
Austauschschülerin aus Rumänien